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(Kassel) Mit elf Jahren muss Valeria Anselm ihr Elternhaus verlassen. Was danach folgt, prägt ihr Leben und führt sie schließlich zum Schreiben. Am Freitag, 16. Oktober 2026, kommt die Autorin und Careleaverin nach Kassel. In der Amos-Begegnungsstätte liest sie aus ihrem neuen Buch »Wo ist mein Zuhause? Von größtem Schmerz und kleinsten Wundern«. Darin erzählt sie von ihrer Kindheit in der Jugendhilfe, schmerzhaften Verlusten und der Suche nach einem Platz im Leben, an dem sie sich wirklich zu Hause fühlen kann.

Valeria Anselm: Eine Autorin, die aus eigener Erfahrung schreibt

Die Geschichte beginnt mit einer familiären Krise. Als Valeria Anselm elf Jahre alt ist, erkrankt ihre Mutter. Das Mädchen zieht in eine Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe. Die vertraute Umgebung fällt weg. Neue Menschen treten in ihr Leben, andere verschwinden daraus.

Acht Jahre lebt sie in der Wohngruppe. Sie erlebt Veränderungen unter den Betreuungspersonen und Mitbewohnern. Während andere Jugendliche ihr Elternhaus als selbstverständlichen Rückzugsort erleben, beschäftigt Anselm eine grundlegende Frage: Wo gehöre ich eigentlich hin?

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Ihre Erfahrungen verarbeitet sie zunächst in dem Buch »Das ist (nicht) mein Zuhause«. Sie schreibt es ursprünglich für andere Kinder und Jugendliche in der Wohngruppe. Später veröffentlicht sie den Text und erreicht damit auch Fachkräfte und Menschen außerhalb der Jugendhilfe.

Schon mit 18 Jahren hält sie ihr erstes Buch in den Händen. Es folgen Lesungen, öffentliche Diskussionen und weitere Veröffentlichungen. Im Zentrum steht immer wieder die Frage, wie junge Menschen ihre Zeit in Einrichtungen der Jugendhilfe erleben und welche Folgen diese Erfahrungen für ihr späteres Leben haben.

»Wo ist mein Zuhause?«: Was erzählt Valeria Anselm in ihrem neuen Buch?

Mit »Wo ist mein Zuhause? Von größtem Schmerz und kleinsten Wundern« setzt die Schriftstellerin ihre autobiografische Geschichte fort. Das Buch erschien im September 2026 bei der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH).

Anselm beschreibt darin ihre Erfahrungen mit der Jugendhilfe und dem Gesundheitssystem. Sie berichtet von Überforderung, Erkrankungen und persönlichen Krisen. Zugleich geht es um Menschen, die sie unterstützen, und um kleine Erlebnisse, die ihr Zuversicht geben.

Die Autorin stellt dabei auch unbequeme Fragen. Was geschieht mit Kindern, die außerhalb ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen? Wie erleben sie wechselnde Bezugspersonen? Und wer begleitet sie, wenn die offizielle Jugendhilfe endet?

Die Suche nach einem Zuhause ist dabei nicht allein eine Frage nach einer Wohnung oder einem festen Wohnort. Es geht auch um Vertrauen, verlässliche Beziehungen und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten.

Das Buch umfasst laut Verlagsangaben rund 188 Seiten und kostet 16,90 Euro. Es trägt die ISBN 978-3-947704-41-5.

Von eigenen Erfahrungen zu Interviews mit anderen Careleavern

Valeria Anselm beschränkt sich nicht auf ihre persönliche Geschichte. Im August 2025 veröffentlichte sie beim Fachportal der Kinder- und Jugendhilfe eine vierteilige Interviewreihe über Menschen, die in Pflegefamilien oder Wohngruppen aufgewachsen sind.

Darin porträtiert sie Lee, Roxanna und Tessa. Den vierten Beitrag widmet sie ihrer eigenen Geschichte. Sie beschäftigt sich mit dem Alltag in der Jugendhilfe, dem Übergang in die Selbstständigkeit und den Problemen, die nach dem Ende der Betreuung entstehen können.

Die Interviews machen deutlich, dass hinter dem Begriff Careleaver sehr unterschiedliche Lebensgeschichten stehen. Anselm nutzt ihre Arbeit, um Menschen zu Wort kommen zu lassen, über deren Erfahrungen häufig andere sprechen.

Was bedeutet Careleaver? Und warum ist das Thema wichtig?

Der englische Begriff Careleaver bezeichnet Menschen, die einen Teil ihrer Kindheit oder Jugend in einer Pflegefamilie oder einer stationären Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe verbracht haben und diese wieder verlassen.

Der Übergang ins Erwachsenenleben bringt besondere Herausforderungen mit sich. Während viele Gleichaltrige weiterhin Unterstützung durch ihre Familien erhalten, müssen Careleaver ihren Alltag häufig unter anderen Voraussetzungen organisieren.

Fragen nach Wohnraum, Ausbildung, finanzieller Sicherheit und verlässlichen Beziehungen können dabei eine große Rolle spielen. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, bei Entscheidungen über das eigene Leben mitzubestimmen.

In ihren Büchern macht Anselm deutlich, wie stark institutionelle Entscheidungen das Leben junger Menschen beeinflussen können. Sie berichtet aber ebenso von Menschen, die Verantwortung übernehmen und durch ihre persönliche Unterstützung einen Unterschied machen.

Wie reagieren Leser und Fachleute auf Valeria Anselms Bücher?

Schon ihr erstes Buch »Das ist (nicht) mein Zuhause« erhielt Aufmerksamkeit in der Kinder- und Jugendhilfe. Der Careleaver e. V. und der Kinder- und Jugendhilferechtsverein stellten die Veröffentlichung als Buchtipp vor. Sie hoben besonders die persönliche Perspektive der Autorin hervor.

Auch bei Lesungen kommt Anselm mit ihrem Publikum ins Gespräch. Im März 2026 trat sie im Rahmen der Erfurter Frühlingslese auf. Nach Angaben des Careleaver-Zentrums Thüringen besuchten mehr als 100 Menschen die Veranstaltung. Unter ihnen waren Careleaver, Fachkräfte und weitere Interessierte.

Am 29. September 2026 war sie bei einem Fachtag der Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld zu Gast. Vor angehenden Fachkräften für Sozialwesen sprach sie über Nähe und Verantwortung in der Jugendhilfe.

Zum neuen Buch »Wo ist mein Zuhause?« liegen bislang nur wenige unabhängige öffentliche Besprechungen vor. Die bereits dokumentierte Resonanz bezieht sich überwiegend auf ihren Vorgänger und frühere Lesungen.

Lesung in Kassel: Persönliche Erfahrungen treffen auf gesellschaftliche Fragen

Am Freitag, 16. Oktober 2026, stellt Valeria Anselm ihr neues Buch in der Amos-Begegnungsstätte in Kassel vor. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr. Einlass ist ab 18 Uhr.

Die Laudatio hält Terhas Andezion. Die Lesung soll Gelegenheit geben, über Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und den Umgang gesellschaftlicher Institutionen mit jungen Menschen nachzudenken.

Veranstalter ist der Arbeitskreis für Careleaver Hessen in Kooperation mit dem Sozialen Friedensdienst Kassel und der Begegnungsstelle für Careleaver Kassel.

Der Veranstaltungsort ist rollstuhlgerecht. Da nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung steht, kann die Kapazität erreicht werden. Angaben zu Eintrittspreisen oder einer notwendigen Anmeldung liegen in der Presseinformation nicht vor.


Valeria Anselm in Kassel: Termin und Veranstaltungsort

  • Veranstaltung: Lesung »Wo ist mein Zuhause?« mit Valeria Anselm
  • Datum: Freitag, 16. Oktober 2026
  • Einlass: 18 Uhr
  • Beginn: 18.30 Uhr
  • Ort: Amos-Begegnungsstätte
  • Adresse: Rudolf-Schwander-Straße 4–8, 34117 Kassel
  • Laudatio: Terhas Andezion
  • Barrierefreiheit: Rollstuhlgerechter Veranstaltungsort
  • Hinweis: Begrenzte Platzzahl

Häufige Fragen zur Lesung von Valeria Anselm in Kassel

  • Wann liest Valeria Anselm in Kassel? – Die Lesung findet am Freitag, 16. Oktober 2026, um 18.30 Uhr statt. Einlass ist bereits ab 18 Uhr.
  • Wo findet die Veranstaltung statt? – In der Amos-Begegnungsstätte, Rudolf-Schwander-Straße 4–8, 34117 Kassel. Der Veranstaltungsort ist rollstuhlgerecht.
  • Worum geht es in »Wo ist mein Zuhause?«? – Valeria Anselm erzählt autobiografisch über ihr Aufwachsen in der Jugendhilfe, über Krankheiten und Verluste sowie über ihre Suche nach Zugehörigkeit und Selbstbestimmung.
  • Hat Valeria Anselm weitere Bücher geschrieben? – Ja. Zuvor veröffentlichte sie »Das ist (nicht) mein Zuhause« und »Random fact: I love youuu«. Ihr neues Buch setzt die autobiografische Geschichte des ersten Titels fort.

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Von Fedor Waldschmidt

Inhaber und Herausgeber des Magazin Wildwechsel

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